Aufführungen, Konferenzen, Workshops...
5 – 22 März
Experimentierfeld Demokratie
Die Debattenkultur auf dem Prüfstand der Gegenwart
Die westliche Demokratie beruht auf Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Meinungsfreiheit, Menschenrechten... und hängt von einer starken Zivilgesellschaft ab. Denn in Demokratien entscheiden die Bürger und Bürgerinnen mit der ganzen Vielfalt ihrer Äußerungen und ihres Handelns über eine Gesellschaftsform. Allerdings können Demokratien sich auch selbst abschaffen: Wo Ängste und Emotionen geschürt werden, schwindet das politische Urteilsvermögen. Wenn Fake News und soziale Netzwerke Standpunkte prägen, untergraben sie die demokratische Debatte. Und wo Algorithmen die Mitsprache von Massen bestimmen, geht es mehr um die Meinungsmache von Plattformen als um politische Argumentation.
Aber genau davon lebt Demokratie: Beratschlagen und Entscheidungsprozesse gehören dazu, Überzeugungen überprüfen, Kompromisse machen, mit Gestaltungswillen experimentieren. Wenn wir sichergehen wollen, dass ein Staat in unserem Namen spricht, müssen wir unsere Stimmen zu Gehör bringen. Ohne emotionalen Tumult oder vorgeschanzte Harmonie, sondern als produktive Dissonanz, die die Vielfalt von Meinungen spiegelt und gleichzeitig über die bloße Konfrontation hinausgeht.
Und darum geht es auch im Maillon bei Démocraties en jeu – Die Debattenkultur auf dem Prüfstand der Gegenwart: Um das Verständnis bestimmter Mechanismen eines Systems, und die Lust, die Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe auszuschöpfen. Einen Platz in einer Debattenkultur einzunehmen, die das Für und Wider abwägt. Denn die Freiheit, für die Kultur eintritt, ist auch die Freiheit, unterschiedliche Stimmen und Perspektiven sichtbar zu machen. Eine ansteckende, hellsichtige Vitalität prägen die Theater- und Tanzvorstellungen, Vorträge und Begegnungen, die während dieser Tage im Maillon stattfinden – dokumentarische, immersive und spielerische Inszenierungen, die Lust machen sich einzumischen.
Barbara Engelhardt,
Theaterleiterin